Manchmal beginnt eine gute Sicherheitsplanung mit der Erkenntnis, dass wir zwar dieselben Begriffe verwenden, darunter jedoch nicht unbedingt dasselbe verstehen. Bei der Erarbeitung des neuen Evakuierungsplans für den Flughafen Zürich wurde dies besonders deutlich: Hinter den Begriffen Flucht, Räumung und Evakuierung standen unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein Ereignis bewältigt werden soll. Erst ein gemeinsames Verständnis schuf die Grundlage für eine tragfähige Lösung.
Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch das diesjährige SSI-Magazin: Sicherheit setzt Verständnis voraus. Zunächst gilt es, das eigentliche Problem zu erkennen, die relevanten Schutzziele zu definieren und die Funktionsweise des betrachteten Systems zu verstehen. Die Wahl der Methode ergibt sich aus der Fragestellung – und nicht umgekehrt.
Dieser Grundsatz gilt für kritische Infrastrukturen ebenso wie für die Optimierung einer Parkgaragenlüftung oder den Brandschutz historischer Bausubstanz. Insbesondere dort, wo unterschiedliche Anforderungen und Interessen zusammenkommen, greifen Standardlösungen nicht immer. Stattdessen braucht es fundierte Analysen, einen interdisziplinären Austausch und auf das jeweilige Objekt abgestimmte Lösungsansätze. Diesem Ansatz folgen auch die vom SSI lancierte Initiative für die Plattform «Sicherheit bei Baudenkmälern» sowie die derzeit entstehende Normenreihe SIA 183 «Ingenieurmässiger Brandschutz».
Eine erfolgreiche Sicherheitsplanung beginnt somit möglicherweise weniger mit der Suche nach der richtigen Antwort als vielmehr mit dem Stellen der richtigen Frage. Denn wer ein Problem in seiner Gesamtheit versteht, kann auch die geeignete Methode zu dessen Lösung finden.
Ich wünsche Ihnen eine spannende und anregende Lektüre.


